SWR2 Tandem. Die Frau und der Berg Eine deutsche Hüttenwartin in der Schweiz Von Nathalie Nad-Abonji

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SWR2 MANUSKRIPT ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE SWR2 Tandem Die Frau und der Berg Eine deutsche Hüttenwartin in der Schweiz Von Nathalie Nad-Abonji Sendung: Mittwoch, 07. Dezember 2016, Uhr Redaktion:
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SWR2 MANUSKRIPT ESSAYS FEATURES KOMMENTARE VORTRÄGE SWR2 Tandem Die Frau und der Berg Eine deutsche Hüttenwartin in der Schweiz Von Nathalie Nad-Abonji Sendung: Mittwoch, 07. Dezember 2016, Uhr Redaktion: Petra Mallwitz Regie: Nathalie Nad-Abonji Produktion: SWR 2016 Bitte beachten Sie: Das Manuskript ist ausschließlich zum persönlichen, privaten Gebrauch bestimmt. Jede weitere Vervielfältigung und Verbreitung bedarf der ausdrücklichen Genehmigung des Urhebers bzw. des SWR. Service: SWR2 Tandem können Sie auch als Live-Stream hören im SWR2 Webradio unter oder als Podcast nachhören: Mitschnitte aller Sendungen der Redaktion SWR2 Tandem sind auf CD erhältlich beim SWR Mitschnittdienst in Baden-Baden zum Preis von 12,50 Euro. Bestellungen über Telefon: 07221/ Bestellungen per Kennen Sie schon das Serviceangebot des Kulturradios SWR2? 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Und schon bist du dabei, dir Gedanken über das große Ganze zu machen. sobald man über der Baumgrenze unterwegs ist, können die Gedanken wandern. Die Füße laufen und die Gedanken laufen. Und irgendwann beginnt die Vorfreude auf die Hütte so groß zu werden, dass das das Hauptgefühl ist. Musik hochziehen Verblenden mit Atmo 1 Küche Claudia Drilling steht am Gasherd in der großen Küche. Gleichzeitig hantiert sie mit zwei Töpfen und einer Pfanne. OT 2 Claudia leise: Heute Abend machen wir Spaghetti- Plausch. Aber Psst: wir verraten nie was es zu essen gibt. Wenn sie neugierig fragen, was gibt es heute? Sagen wir, Suppe, Hauptgang, Dessert. Und was? Ja, das weiß ich auch noch nicht so genau. Dann fangen sie an zu lachen und sagen o.k., wir haben es verstanden. Atmo 2 Küche Vorsichtig verlagert sie das Gewicht vom einen auf das andere Bein, verzieht das Gesicht- und lächelt den Schmerz gleich wieder weg. Claudia ist vor kurzem, beim Abstieg ins Tal, gestürzt und hat sich das Knie verletzt. Seit Tagen bandagiert sie das dicke Gelenk. Weitermachen, als wäre nichts, lautet die Devise der 50-jährigen. OT 3 Claudia: Eine Hütte, zu der man mit dem Auto fahren kann, würde ich nicht übernehmen. Dazu hätte ich keine Lust. Da oben ist irgendwie gar nichts normal. Oder es ist normal, dass der Strom ausfällt, das Wasser einfriert. Die Probleme sind fast ein bisschen normal, aber das macht es auch sehr spannend. Weiter Atmo unter 2 Atmo 3 kochen Die Nachmittage sind ruhig in der Jenatschhütte. Tagesgäste kommen kaum. Zu beschwerlich ist der 5-stündige Aufstieg, bloß um oben kurz die Aussicht zu genießen. Wer zur Jenatschhütte will, die übrigens nach dem Freiheitskämpfer Jörg Jenatsch benannt ist, muss bereit sein, bis an seine körperlichen Grenzen zu gehen. Und erst ganz am Schluss des Aufstiegs, gerät die Hütte in sein Blickfeld. Atmo 4 Stube In der Stube sitzen die ersten Übernachtungsgäste an diesem Tag. Matthias und seine beiden Kinder. Hier oben waren sie schon öfter. Der Architekt hat vor Jahren mit Claudia in Deutschland studiert. OT 4 Matthias: Mein Job bringt halt mit sich, dass du mal außerhalb nine to five erreichbar sein musst oder, dass du auf eine Antwort per mail oder Telefon, skype wartest. Bis du auch mal bei der Familie bist, wo du normalerweise abschalten können solltest, dann trotzdem immer mit einem Auge im Geschäft. Und hier ergibt sich diese Möglichkeit gar nicht. Von daher bist du schon am ersten halben Tag, weg vom Büro. Nicht unbedingt weg vom Alltag, aber weg vom Büro. Atmo 5 Stube ruhig Gerade haben sie ein Stockwerk höher, im Schlafsaal für 20 Personen, ihre Schlafsäcke ausgerollt und ihre schweißnassen Hemden aufgehängt. Eine Dusche gibt es nicht, auch kein warmes Wasser. Nur einen Schlauch mit kaltem Wasser, direkt aus dem Gebirgsfluss, der ein paar Hundert Meter hinter der Hütte, durch die Schlucht tost. Es ist bekannt: die Hütten des Schweizer Alpin Clubs bieten nicht gerade das, was der Mitteleuropäer unter Komfort versteht. Das schreckt manchen Berggänger ab. OT 5 Matthias: Gerade bei meiner Frau ist es der Verzicht auf Privatsphäre, der Verzicht auf Komfort, Bequemlichkeit, viele Leute duschen gerne einmal am Tag und das ist halt nicht so. Du bist nicht erreichbar, du hast eine völlig andere Umgebung, du kommst mit völlig anderen Leuten zusammen. Der Tag ist ganz anders getaktet. Du schaust nichts ständig auf die s oder denkst um diese Uhrzeit muss ich noch das oder das machen. Du bist wie in kaum einer anderen Urlaubssituation sowas von raus aus dem Alltag. Das ist für mich unvergleichlich. Atmo OT 6 Claudia: Wenn du dir überlegst, wie das Leben unten funktioniert: du bis immer erreichbar und für alle immer greifbar. Und wenn du nicht persönlich greifbar bist, dann ruft man dich an und wenn da ein Anrufbeantworter nicht funktioniert, dann schickt man eine sms, wenn das nicht funktioniert, dann bekommst du eine whats app. Man erwartet von dir, dass du erreichbar bist. Wir spüren, dass es den Leuten zu viel ist. Und sie sagen auch, es ist schön, dass man bei euch nicht erreichbar ist. Und unser Gefühl ist, dass das wirklich ein kostbares Geschenk ist. 3 Der Mangel als Luxus. In der Jenatschhütte und drum herum gibt es keinen Handyempfang. Um Nachrichten senden oder empfangen zu können, muss man mindestens eine Stunde Richtung Gletscher wandern Matthias und die Kinder haben es ausprobiert. Auch mit Internet sieht es schlecht aus außer am fest installierten Computer in der Küche, unter Claudias Aufsicht. OT 7 Claudia: Wir hatten eine Weile unser WLAN öffentlich, bis wir gemerkt haben, dass das ja nur irritiert. Und dann kamen die Gäste an die Theke und sagten, ich habe gesehen, es gibt WLAN, darf ich den code wissen? Dann haben wir gesagt, nein. Seit wir es verdeckt haben, ist es überhaupt kein Thema mehr. Es gibt kein WLAN und sie sehen es auch nicht mehr. Wenn wir irgendwann mal Handyempfang haben da oben, dann machen wir einen Störsender. Weiter Küchenatmo. Es ist ihr Geschäftsmodell, ja aber auch der Wunsch, den Gästen durch die fehlende Ablenkung, die Gelegenheit zu geben etwas Neues zu entdecken. Claudias Mann Fridli ist in die Küche gekommen, um sich aufzuwärmen. Der Schweizer arbeitet gerade draußen an der neuen Bachfassung. OT 8 Fridli Schweizerdeutsch overvoice : Wir hatten hier schon Leute, wie diesen einen Wirtschaftskapitän. 70 Tausend Mitarbeiter auf der ganzen Welt. Seine erste Frage war: kann ich den WLAN Code bekommen? Nein, habe ich gesagt. Aber wenn es für dich überlebenswichtig ist, kannst du zu uns in die Küche kommen und hier mails checken. Er kam den ganzen Abend nicht. Es geht also auch bei ihm ohne. Er wurde immer ruhiger, seine Gesichtszüge entspannten sich. Am Ende hat er sogar mit Claudia Alphorn gespielt. Er hat sich selbstverständlich blamiert. Alphorn spielen ist alles andere als einfach. Aber er hat sich getraut. Also war er komplett entspannt. Denn bis so einer sich blamiert...das kennt er nicht. Das darf er normalerweise nicht zulassen. OT 9 Fridli Schweizerdeutsch ohne overvoice: So, jetzt gehe ich. Sonst komme ich noch ins Philosophieren. Er gehe jetzt weitermachen, sagt er, sonst komme er noch ins Philosophieren. Atmo Claudia am Kochen Die Berge, das war lange Zeit eine Männerdomäne. Die Erstbesteigungen imposanter Gipfel: Männer. Die ersten und wichtigsten Bergführer: Männer. Der Schweizer Alpin-Club hat erst nach 1980, Frauen in den Verein aufgenommen. Seit 2013 ist erstmals eine Frau Präsidentin des Alpin Clubs. Es hat eben lange gedauert. Auch bis Frauen in den sogenannten SAC-Hütten das Zepter übernahmen. Und so ganz, ist es bei einigen Herrschaften noch immer nicht angekommen, dass die Zeiten sich geändert haben. OT 10 Claudia: Ich merke das ja im normalen Alltag: ich kann nicht das gleiche sagen wie der Friedli. Wenn ich mit den gleichen Worten, denselben Inhalt sage, 4 dann werde ich schräg angeguckt. Und beim Friedli hat man ein verkniffenes Lächeln. Man findet es beim Friedli auch nicht toll. Die strikte Anweisung, dass der Hund in jedem Fall nicht in der Hütte übernachten darf, die Bergschuhe im Vorraum bleiben müssen und die Gäste bis spätestens halb sieben, pünktlich zum Abendessen, in der Stube zu erscheinen haben. OT 11 Claudia: Aber ihm verzeiht man das. Weil ein Hüttenwart, das ist ja per se ein kurliger Typ, der ist sowieso ein bisschen komisch. Eine Frau darf das nicht. Und eine blonde Frau aus Deutschland sowieso nicht. Unmöglich. Und wenn mir einer wirklich schräg kommt, dann mache ich einen Schritt nach hinten und lasse den Friedli vor. Dann ist die Welt des anderen in Ordnung und im Prinzip soll er sich ja da oben entspannen. Atmo 6 erst Schritte draußen, dann Bachatmo Fridli baut eine neue Bachfassung mit einem Sandfang, der das Wasser von Geröll und Sand reinigen soll. Er muss vor dem Wintereinbruch damit fertig werden. Atmo 7 beim Bach Jeder Tropfen Wasser, der in der Jenatschhütte gebraucht wird, kommt über Leitungen aus diesem Gebirgsfluss, der seinen Weg ins Tal durch steile Felsschluchten gräbt. Eine Wasserturbine versorgt die Hütte, zusätzlich zur Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach, 24 Stunden pro Tag mit Strom. Im Winter, wenn Schneematsch die Turbine verstopft, muss der 60-jährige Fridli, auch nachts im Dunklen, alle paar Stunden aus dem Bett und dafür sorgen, dass das Wasser ungehindert fließen kann. Ein gefährlicher Arbeitsplatz. Wer hier einmal stolpert, ist für immer verloren, in der Schlucht mit dem tobenden Wasser. OT 12 Fridli: Aber ich sage immer: dann bin ich wenigstens glücklich verunglückt. Die anderen, die im Auto sterben, die finde ich nicht so glücklich. Das hier oben, das ist meine Leidenschaft. Mein zu Hause. Zäsur Evtl. Musik Oloid Track 4 ab bekannter Stelle als Trenner bzw, mit next verblenden OT 13 Friedli erst Schweizerdeutsch dann Schriftdeutsch: Wir begrüßen euch ganz herzlich auf der höchstgelegenen SAC- Hütte im Kanton Graubünden. Herzlich willkommen auf der Jenatschhütte. Es hieß ich soll Schriftdeutsch sprechen Hochdeutsch kann ich nicht. Guten Abend miteinander, wir freuen uns sehr, dass ihr bei uns seid. Wir haben viele bekannte Gesichter in der Stube, das freut uns sehr. Claudia und ich, wir machen das jetzt das fünfte Jahr. Vorher haben wir drei Jahre eine andere Hütte geführt und auch diese mit Freude. 5 Es gibt jetzt eine Suppe, dann das Abendessen. Das ist heute ein Buffet. Da kann sich jeder selber bedienen Tischweise. Anschließend gibt es noch ein Dessert. Und wer Dessert nicht versteht, der ist selber schuld. Eine Nachspeise. Frühstück: soviel ich erfahren habe, haben wir Leute unter uns, die den Bernina-Trek machen. Stimmt das? Gibt es Leute die zur Coaz-Hütte gehen? O.k. Dann gibt Frühstück zwischen halb sieben und halb acht, damit ihr zeitig aufbrechen könnt. OT Claudia: Dann gibt es morgen früh auch in der Zeit des Frühstücks den Marschtee. Bei uns ist in der Halbpension ein Liter inklusive. Und ihr könnt euch morgen früh im Schuhraum, wo ihr die Crocs gefunden habt, könnt ihr euch die Flaschen selbst abfüllen. Wir wünschen einen schönen Abend und en guete mitenand! (Klatschen) Atmo 8 Dann Gespräche bzw. Suppe essen An diesem Abend hat sich eine bunt gemischte Gruppe von etwa 30 Personen in der holzgetäfelten Stube versammelt. Familien mit Kindern, junge Paare, ein Bergführer und seine Frau und ein Rentnerehepaar. EIN angemeldeter Gast ist nicht erschienen. Claudia geht jeden Abend die Namenslisten durch. OT 14 Claudia: Niemand der nicht kommt, wird einfach so liegen gelassen. Das machen wir nicht. Winter ist unsere Hemmschwelle sehr klein die Rettung zu holen. Weil wenn wir im Winter nicht rechtzeitig reagieren, kann der Gast sterben- ganz schlicht. Weil es so kalt ist. Wenn irgendetwas zu spät geht, kann der Heli nicht mehr fliegen. Bei schlechtem Wetter kann er das sowieso nicht. Wenn wir nicht rechtzeitig reagieren, erfriert er. Atmo 9 in der Stube am Tisch Einem älteren Herrn stehen die Strapazen des Aufstiegs besonders ins Gesicht geschrieben. Er hat es mit letzten Kräften in die Hütte geschafft. Seinen Rucksack musste ihm jemand abnehmen und ins Zimmer tragen. Sechs verschiedene Routen führen zur Jenatschhütte. An Geröllhalden vorbei und durch Schneefelder das Kind der holländischen Familie am Tisch, ist auf einem ausgerutscht. Und mehrfach führt der Weg durch Mutterkuhherden. Sie können, aus Angst um ihre Kälber, manchmal bedrohlich werden. DAS Tischgespräch an diesem Abend. OT 15 Ältere Frau Schweizerdeutsch overvoice: Diese Mutterkühe werden so aggressiv, weil der Wolf auf die Kälber los ist. Es wird alles unter dem Deckel gehalten. Wir kennen einen Bauer. Die Kuh fing an den Hirten anzugreifen und auch den Hirtenhund, den sie gut kannte. Der Bauer hat die Kuh schlussendlich erschießen lassen. Aber das passiert, weil die Herden nachts keine Ruhe mehr haben, weil der Wolf darin wildert. Aber es wird alles verheimlicht. Die Kühe werden aggressiver. 6 OT 16 Frau auf Deutsch: auf jeden Tod durch Kuh, kommen 200 Tote durch ausrutschen in der Badewanne. Durcheinander. Dann ist alles relativ. Aber für die Person, die mittendrin ist. Frau des Bergführers Schweizerdeutsch spricht. Darüber Als Fridli sich mit an den Tisch setzt, zückt die Frau des Bergführers ihren Fotoapparat und zeigt ihm ein Foto mit handgroßen Spuren im Schnee. Mit nur vier Tatzen, wie sie betont. OT Fridli: Ein Luchs?...Es könnten sogar die Spuren eines Bärs sein. über OT? Fridlis Vermutung: ein Bär ist unterwegs. Die Frau des Bergführers wird das Foto dem Jagd-Inspektor der Gegend schicken. Und der wird sich hüten, es an die große Glocke zu hängen. Niemand hat ein Interesse daran, die Touristen aus dem In- und Ausland zu vergraulen. Erst recht nicht jetzt, wo der Franken so stark ist und viele deutsche Gäste wegbleiben. Atmo 10 kurz frei stehend Die Hütten des Schweizer Alpin Clubs gehören den einzelnen Sektionen des Vereins. Die Hüttenwarte leben von dem, was die Bergsteiger konsumieren und geben einen Teil davon an die Sektionen ab. Wie eine Pacht. Aber die Hütten sind mehr als Hotels in den Bergen: In den vier Wintermonaten, in denen Claudia und Fridli im Tal leben, bleibt die Jenatschhütte geöffnet. Für Notfälle: OT 17 Claudia: SAC-Hütten haben in aller Regel einen Schutzraum. Sie sind ja Schutzhütten. Sie sollen ja denen, die unterwegs sind die Möglichkeit geben Schutz zu finden. Wenn sie nicht bewartet ist, bewartet heißt, wenn die Hüttenwarte da sind und den Laden führen, dann bietet die Hütte Kochgelegenheit, Schlafgelegenheit und eine einfach WC-Gelegenheit. Das ist von der Ideologie her, von der Idee, in jeder Hütte dasselbe. Atmo 11 in der Küche Dazu gehören natürlich auch beheizte Räume im Winter. Claudia hat sich in Küche zurückgezogen. Sie sitzt am Tisch auf der Eckbank und hat das verletzte Knie auf einen Stuhl gelegt. OT 18 Claudia: Vorhin beim Essen musste ich aufstehen, sitzen hätte ich nicht mehr länger können. Heute Morgen hatten wir zufällig einen Chirurgen in der Stube, den habe ich angehauen, schnell mal zu gucken. Das heißt, eigentlich hat ihn mir Friedli auf den Hals gehetzt. Ich bin ja immer der Meinung, es geht schon, es braucht halt Zeit. Er hat mir schon dringend geraten ich soll es röntgen lassen, falls die Kniescheibe etwas abbekommen hat. Dass es nachher nicht untern drunter Schäden anrichtet. 7 Sie könne ja nicht wegen jedem Wehwehchen zum Arzt gehen, schiebt sie mit einem neckischen Lächeln nach. Außerdem müsste sie für einen Arztbesuch erst mal fünf Stunden ins Tal absteigen. Immer wieder in ihrem Leben hat sich die Deutsche aus Frankfurt über ihre eigenen Grenzen hinweggesetzt. Ein Grund, weshalb sie nicht mehr Vollzeit-Architektin sein wollte. Und konnte. OT 19 Claudia: Bei allem was ich gemacht habe, habe ich gedacht, da gibt es noch eine bessere Lösung. Das kann man doch auch noch ganz anderes machen. Und habe dann entwickelt und entwickelt und gezeichnet. Überlegt, skizziert. Das ist für das Endergebnis und für den Kunden natürlich hervorragend. Am Ende hast du eine Lösung, von der du in jedem Detail überzeugt bist, dass es die Lösung ist. Aber für mich selbst war es schnell auch mal schwierig, weil ich konnte nicht mehr aufhören. Ich habe dann wirklich Tag und Nacht gearbeitet. Da kommt irgendwann der Punkt und das wird in jedem Beruf so sein wo man das Gefühl hat, ich lebe ja gar nicht mehr, ich bin ja nur noch am Arbeiten. OT Claudia: Jetzt könnte man natürlich sagen, da oben machen wir es genauso. Das stimmt ein stückweit. Aber es stimmt eben nicht. Zum einen sind wir ja hier oben nicht nur am Arbeiten, weil das was wir machen- der Kontakt zu den Gästen ist ja keine Arbeit in dem Sinn. Hier oben haben wir so viele soziale Kontakte, dass wir wirklich leben und nicht nur arbeiten. Atmowechsel an der Theke mit Fridli Atmo kurz frei Dann kurzes Gespräch Fridli und Gast an der Theke darüber Während Claudia ihr Bein hochgelegt hat, gibt Fridli an der Theke Wasserflaschen, Espressi und selbstgebrannten Schnaps aus. Atmo 12 OT 20 Claudia. Was für mich klar ist: dass ich es nicht alleine machen möchte. Weil es ist ja nicht nur eine Arbeit. Man lebt hier oben. Ich lebe hier mit dem Friedli. Mit wechselnden Mitarbeitern. Und solange wir es zusammen machen können, werden wir es machen. Jetzt ist Fridli schon über 60. Wir haben darüber gesprochen, dass es wahrscheinlich nicht endlos ist. Der letzte Winter war körperlich sehr anstrengend. Wir waren mit 75 Gästen ausgebucht und das Wasser ist eingefroren. Wir hatten plötzlich kein Wasser mehr. Weder zum Kochen noch für sonst was. Das geht nicht. Dann musste er Tag und Nacht immer raus. Ob Schneesturm oder wie kalt auch immer, es spielte keine Rolle. Er musste raus. Da kam er an seine persönliche Grenze, wo er gesagt hat, ich kann und mag nicht mehr. 8 Erstmals stellte sich das Ehepaar die Frage, wie lange sie noch als Hüttenwarte auf 2652 Metern leben wollen. Und was danach kommt...beide Fragen haben sie nicht abschließend beantwortet. Aber vier oder fünf Jahre werden die beiden wohl noch die Gastgeber der höchstgelegenen Hütte im Graubünden bleiben. Auch wenn die Tage manchmal sehr lang, und die Nächte sehr kurz, sind. Atmo 13 Dessert am Tisch unter Text weiter Nachdem der letzte Gast in seinen Schlafsack gekrochen ist mit Stirnlampe, um die anderen nicht aufzuwecken setzt sich Fridli zu Claudia. Janine, die den ganzen Sommer über mithilft und Maria, eine ehemalige Helferin, die gerade zu Besuch ist, haben alles von Hand abgewaschen und kommen nun dazu. Die kleine Gruppe teilt sich die Reste des Desserts: Baiser mit Schlagsahne. Claudia hat eine mail von einem Gast bekommen, der letzte Nacht bei ihnen übernachtet hatte. OT 21 Claudia: Ich lese es vor. Liebe Claudia, lieber Fridolin. Wohlbehalten sind wir wieder in Basel gestrandet. Es war meine schönste Hüttenübernachtung, in der Jenatschhütte. Ich habe schon in einigen übernachtet. Ich danke euch, dass wir eine so schöne Zeit haben verbringen dürfen und für euer besorgt sein, dass es den Gästen wohl ist bei euch. Mit vielen Herzlichen Grüßen, M.S. Ohhhh, Motivation! Friedlich Schweizerdeutsch: Da bekommt man Gänsehaut. OT 22 Friedli Schweizerdeutsch: Das ist der Sprit um weiterzumachen. Dazu muss jema
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