Eriz: Zwischen alter und neuer Zeit

12 pages
50 views
of 12

Please download to get full document.

View again

All materials on our website are shared by users. If you have any questions about copyright issues, please report us to resolve them. We are always happy to assist you.
Share
Description
Weber AG Verlag Eriz: Zwischen alter und neuer Zeit Geschichte und Geschichten aus dem Leben von 12 Generationen Bauern, Kühern und Bergbauern während 400 Jahren. Daniel Aeschlimann Weber AG Verlag ERIZ
Transcript
Weber AG Verlag Eriz: Zwischen alter und neuer Zeit Geschichte und Geschichten aus dem Leben von 12 Generationen Bauern, Kühern und Bergbauern während 400 Jahren. Daniel Aeschlimann Weber AG Verlag ERIZ Zwischen alter und neuer Zeit Geschichte und Geschichten aus dem Leben von 12 Generationen Bauern, Kühern und Bergbauern während 400 Jahren. Daniel Aeschlimann Weber AG Verlag Inhaltsverzeichnis Impressum ISBN Verlag, Copyright Weber AG Verlag Gwattstrasse 125, CH-3645 Thun/Gwatt Autor Fotos Auflage Druck Daniel Aeschlimann Leni Aeschlimann Bernhard Aeschlimann Christian Aeschlimann z.t. aus Familienarchiv Holztransporte: Z.V.gest. Eicher Transporte AG, Eriz Scheuner Daniel, Transporte, Oberei 1000 Ex. Gerber Druck, Steffisburg Mit herzlichem Dank für die Unterstützung an den Amtsanzeigerverband Thun. Eriz: Zwischen alter und neuer Zeit Vorwort von Peter Rychiger... 7 Einleitung... 9 Meine Vorfahren... 9 Das 17. Jahrhundert Der 30-jährige Krieg Der Bauernkrieg Heimet und Alpen kommen in den Besitz der «gnädigen Herren» 19 Klimatische Kapriolen Die alte Zimmermannskunst Die Kirche Schwarzenegg Das 18. Jahrhundert Hat der Bauer Geld, hat die ganze Welt Gib uns heute unser täglich Brot Die alte Küherei Vom Bauer zum Küher Kaiser der Napoleon Das 19. Jahrhundert Sitte und Moral Küher im Eriz «Die Wassernoth im Emmental» Die Schule Müschterli us aute Zyte Berns Patriziat und die Bernburger werden ärmer Ein Küherberg zur Zeit von Jeremias Gotthelf Das Kronensystem Glück gha E schreckliche Unfau Vom Hirtenvolk zur Industrienation E Gang wo öpperfür isch gsy Wandel im Küherstand Dr gross Rüüsser Senn bim grosse Rüüsser Ds Pfarrer sch Wy un es Himubett Die Generation der Grosseltern Die Küherfamilie Aeschlimann wird sesshaft Ein harter Schlag Das Kirchengeläute von Schwarzenegg Weniger Weizen, mehr Milch Die Auswanderer vom Chehr D Chüebure vo Luterbrunne Gewitter über der Honegg Doch noch Küher auf eigenem Berg E legendäre Maa nimmt Abschied Müschterli Aus Kühern wurden Viehzüchter und Bergbauern Müschterli Alter Küherspruch Naturkatastrophe Die Generation meiner Eltern Ein neues Heimet entsteht Müschterli Die «Kuhschweizer» Das 20. Jahrhundert Eine Betriebsgemeinschaft Vater-Sohn Ein ausgestorbenes Handwerk Schrackzaun und Schweifelzaun Drättis Gschichtleni Drätti erlebt die Anfänge der neuen Zeit Alpen im Eriz zu verkaufen Erstaunliche Ertragssteigerungen Das Grünenbergsträssli Der erste Weltkrieg Auergattig Müschterli u Erläbnis us em erschte Wäutchrieg Elektrisches Licht kommt in die Bergtäler Verheissungsvoller Aufstieg, brutaler Absturz Bürgen tut würgen Müschterli Das Elternhaus der Mutter Unsere Eltern Samuel Fahrni, Grichts-Statthalter Ein Pionier aus dem Eriz Die Weltwirtschaftskrise Müschterli Der zweite Weltkrieg Die Mobilmachung Die Anpasser Der General Anbauschlacht und Rationierung Miner erschte Erinnerige Erbaut im Kriegsjahr E Ufrichti mitts i dr Chriegszyt Der totale Krieg Chehr Chrigi s Kari Der längste Tag No e Bitz zweni Zum zweiten Mal im Aktivdienst knapp am Tod vorbei Auch die Schweiz wird vom Krieg gestreift Das «tausendjährige Reich» in den letzten Zügen Ändlech Fride Es uhiimeligs Gschichtli Kriegsschicksale Es paar Gschichtleni us der Zyt vo der zweite Gränzbsetzig Harte Auseinandersetzungen zwischen Förstern und Älplern Mi Schueuzyt Wieder bessere Zeiten Die Hüttligrabenlaui Weitere Schritte in die neue Zeit Das Landwirtschaftsgesetz von Bi ne Bueb noch so jung Ein neues technisches Wunderwerk Müschterli Nünenünzg Chehre u ne Chrump Die Anfänge einer Alperschliessung Die Motorisierung hält Einzug im Bergbauernbetrieb Die leeren Käsespeicher E schwiregi Frag Vorwort von Peter Rychiger Rekrutenschule und Militärdienst Auf der Bergbauernschule Weitere arbeitserleichternde Alpmeliorationen Ein unfreiwilliger Berufswechsel Die erste eigene Investition Win iig e Frou ha gfunge Wie in früheren Zeiten Arbeitsreiche Jahre Die Hochkonjunktur Müschterli Von den vierbeinigen Pferdestärken zu den Motoren-PS Auergattig usprobiert Wald und Holz Der Sturm Vivian Die Viehzucht im 20. Jahrhundert Die Milchkontingentierung Eine Alp oder ein Heimwesen? Mehrertrag für drei Dutzend Kühe Sömmerung E rabiate Aktivdienscht-Veteran Die 12. Generation als Bergbauer und Älpler Informatik, was ischt das Eine stufenweise Betriebsübergabe Eine Generation nimmt Abschied Die Versorgung unseres Landes in Zeiten gestörter Zufuhr Direktzahlungen müssen kostendeckende Preise ersetzen Ein neuer Lebensabschnitt beginnt Die EU macht Jagd auf den Berner Bär Jahrhundertsturm und Jahrtausendwechsel Der Anfang des 21. Jahrhunderts Es geht trotzdem weiter mit einem Neubau Werden, Sein, Vergehen Eine «Quelle» verändert sich bedenklich Generation als Bergbauer, quo vadis E chlyni satirischi Rächnig Hundertjähregi Partnerschaft Aus der Bettagspredigt 1839 von Jeremias Gotthelf Was me wyt furtschiesst, mues me wyt ga zruggriiche Schöni Zyte Wörterverzeichnis Es ist nicht das erste Mal, dass ich ein Vorwort zu einem Buch schreibe, aber diesmal ist es schon etwas Spezielleres. Es ist ein ausserordentliches Buch, nicht nur, weil es 12 Generationen und 400 Jahre Familien-, Regional- und Zeitgeschichte umfasst, sondern auch weil es eigentlich zuerst «nur als Chronik für die eigene Familie» des Verfassers Daniel Aeschlimann gedacht war. Zum Glück haben ihn immer mehr Bekannte ermuntert, das Buch für eine breitere Leserschaft herauszugeben. Es ist ein Buch entstanden, das weit über die Familienangehörigen hinaus Beachtung finden wird. Ein Buch, das mich an die Erzählungen unserer Grossmutter erinnert, die uns in der damals noch fernsehlosen Zeit erzählt hat, wie es früher war, was sie und ihre Vorfahren erlebt haben. Genau das macht Daniel Aeschlimann auch, nur weitet er seine Erzählungen aus, stellt sie in den Rahmen der gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und politischen Entwicklungen des jeweiligen Zeitabschnitts. Er geht auf das ein, was ausserhalb unserer Grenzen passiert und einen fast grenzenlosen Einfluss auf unser Leben hat. Die Überlagerung von Familien- und Zeitgeschichte fordert die Leserinnen und Leser, natürlich vor allem diejenigen, die wenig oder keine direkten Beziehungen zu den Personen in diesem Buch haben. Dass über viele Generationen oft die gleichen Vornamen verwendet wurden, erleichtert die Übersicht nicht. Hätte man die Familiengeschichte von der Zeitgeschichte trennen sollen? Hätte man sie überhaupt trennen können? Ich sage mit Überzeugung nein. Gerade anhand der Einzelschicksale kann man sich einigermassen ein Bild machen, was die Menschen im Verlaufe der 4 Jahrhunderte mitgemacht, erlitten aber auch positiv erlebt haben. Ich rate allen Leserinnen und Lesern, beim Lesen der Aufzeichnungen eine Landkarte 1: mit dem Eriz, eine Karte des Kantons Bern und angrenzender Gebiete, aber auch einen Atlas zur Hand zu nehmen. Mit der Eriz-Karte verfolgen sie die Standorte der Weiden, der Alpen, finden einen Grossteil der angesprochenen Häuser. Mit der Berner Karte können sie realisieren, was das Zügeln von den Sommerstandorten auf den Erizer Alpen in die Winterungen nach Thun, Bern oder gar ins Freiburggebiet bedeuten, ein Zügeln ohne Eisenbahn oder Motorfahrzeuge. Und den Atlas brauchen sie, um eine Vorstellung zu bekommen, über welche Distanzen der Zulgtal-Einfluss gewirkt hat, in welchen Ländern die Auswanderer aus dem Eriz weiter gelitten haben oder zum Erfolg gekommen sind. Aus den Kühern werden Viehzüchter und Bergbauern und bereits Ende 19. Jahrhundert, noch niemand spricht von Globalisierung, wird der Export wichtig, spielen ungeschützte Importe von billigem Weizen eine Rolle, sie beeinflussen die Erfolge der Betriebe, der Menschen, die kaum Möglichkeiten haben, sich dagegen zu wehren. Zwei Weltkriege haben immense Auswirkungen auf das Leben und das Sterben im Tal. Es sind bewegende Geschichten, aber auch erheiternde Müschterli, die in die Neuzeit führen. In eine Zeit, in der wir heute leben, in den Zeitabschnitt, über den Daniel Aeschlimann aus eigenem Erleben berichtet. Eine Zeit, von der man sagt, das einzig Beständige sei die Veränderung, was nicht stimmt, denn selbst die Veränderung verändert sich, wird immer schneller. Damit verstehe ich auch die Frage, die als Überschrift über einem der letzten Kapitel steht: «13. Generation als Bergbauer, quo vadis?» Als Präsident der Volkswirtschaft Berner Oberland (im Buch heisst sie noch Volkswirtschaftskammer) habe ich einen Aspekt in diesem Buch speziell beachtet, der gerade heute wieder viel zu diskutieren gibt: Das Verhältnis «Stadt Land», das durch die Ablehnung der Regionalkonferenz Oberland West akzentuiert worden ist. Wenn ich die Darstellungen aus dem 16. und 17. Jahrhundert lese, über die Rolle, die die gnädigen Herren damals und bis weit ins 19. Jahrhundert gespielt haben, kann ich verstehen, dass man auch heute noch teilweise kritisch ist gegenüber den gnädigen Damen und Herren, die aktuell in Bern das Sagen haben. Der Verfasser bezieht sich natürlich vor allem auf die Landwirtschaftspolitik, aber wenn der Berner Stadtrat beschliesst, dass einige Arven im Grimselsee nicht untergehen dürfen, dass sie Vorrang vor erneuerbarer Energie haben, geht das in die gleiche Richtung. Aber Daniel Aeschlimann ist kein Nörgler und kein Nein-Sager. Er stellt im Buch fest, dass «wir es besser haben als unsere Vorfahren». Er billigt auch einem Teil der Politiker zu, dass sie wissen, woher das Brot kommt. Wenn er sich über die Agrarexperten mit einem «Dr. jur. Titel» aufhält, hat er mein volles Verständnis. Leider sitzen zu viele Juristen als Experten für nicht juristische Fragen an wichtigen Stellen unserer Verwaltung in Bund und Kantonen. Sie tragen leider nicht oft dazu bei, dass das Verständnis für die Probleme der Praxis wächst, die Behandlung von Gesuchen beschleunigt wird oder gar die Gegensätze Stadt Land abgebaut werden. Die Aeschlimanns, die Erizer und die «Weekend-Erizer», zu denen ich mich auch zählen darf, aber auch viele andere Personen, die nicht nur das Eriz und die Berglandwirtschaft interessiert, werden das Buch mit Interesse lesen und Daniel Aeschlimann danken, dass er dafür sorgt, dass unsere Wurzeln nicht vergessen gehen, dass wir uns bewusst sind, auf welchen Leistungen, auf welchen Entbehrungen unser heutiger Wohlstand beruht. Dieses Buch ist für mich die Art der Auseinandersetzung mit der Geschichte, die uns weiter bringt. Keine Suche nach Fehlern und Schuldigen sondern das Berichten über Fakten in ihrem Umfeld, daraus Schlüsse für die Zukunft ziehen und dann nach vorne sehen, auch wenn die Zukunft viele Fragen offen lässt. Ich erlaube mir einen persönlichen Dank an Daniel Aeschlimann. Einen Dank, den er, dass weiss ich, eigentlich nicht will, weil für ihn sein Einsatz, seine Leistung, die er neben der täglichen Pflichterfüllung erbracht hat, selbstverständlich ist. Es ist heute leider alles andere als selbstverständlich, dass eine Person mit gefülltem Berufsalltag in der Freizeit noch als Gemeinderat wirkt, die Schwellenkooperation und 27 Jahre die örtliche Raiffeisenbank präsidiert, dazu 14 Jahre im Vorstand des Verbandes Bernischer Raiffeisenbanken angehört. Daniel Aeschlimann hat das und noch einiges mehr gemacht. Dass er daneben noch eine Musikformation hat, rundet für mich sein Bild ab. Das Bild eines Menschen, der nicht akribisch untersucht, ob seine «Work-Life-Balance» stimmt (er würde sicher einen berndeutschen Ausdruck dafür finden), sondern sie einfach lebt. Menschen wie ihn brauchen wir in der Gesellschaft, in der Wirtschaft und vor allem in der Politik. Wir brauchen sie gerade auch, wenn wir dem Berner Oberland und seiner Bevölkerung die Bedeutung geben wollen, die sie verdienen. Wir brauchen sie in der Stadt und auf dem Land. (Auch Thun gehört zum Berner Oberland.) Das müssen sich alle Oberländerinnen und Oberländer in Stadt und Land hinter die Ohren schreiben. 7 Eriz: Zwischen alter und neuer Zeit Geschichte und Geschichten aus dem Leben von zwölf Generationen als Bauern, Küher und Bergbauern während 400 Jahren. Von Daniel Johann Aeschlimann-Fahrni geb Einleitung Solange die Menschheit besteht, hat sich ihr Alltag innert zwei, drei Generationen noch nie so schnell verändert wie im zwanzigsten Jahrhundert. Mein Vater gehörte wohl zu jener Generation, die es erlebt hat, dass in unserem Tal die erste elektrische Glühbirne aufleuchtete, das erste Telefon installiert wurde, das erste Auto die schmale, kurvenreiche Talstrasse befuhr, das erste Flugzeug über den Himmel surrte, mit der ersten Mähmaschine mit Bodenantrieb Heu gemäht wurde und vieles mehr. Doch der grosse Umschwung in der täglichen Arbeit als Bergbauer erlebte dann erst so richtig die Generation, zu der meine Frau und ich gehören. Fast jede Arbeit mussten wir mindestens zwei oder mehrere Male lernen. Jahrhundertelang blieben die meisten bäuerlichen Arbeiten so gut wie gleich. Was der Sohn vom Vater gelernt hatte, war richtig. Daran gab es bei den Bauern vom «alten Schrot und Korn» nichts zu rütteln. Erfahrung war das Wissen und Können unserer Vorfahren. Dieses Wissen war denn meistens auch erstaunlich gross. Doch dann kamen in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts plötzlich die Jahre, wo uns dieses Wissen nur noch zum Teil etwas nützte. Warum? Dazu von unzähligen Beispielen nur ein einziges: Mein Vater fuhr seiner Lebtag nie einen einzigen Schritt weit mit einem Motorfahrzeug, meine Söhne aber noch nie mit einem Leitseil. Und das werden sie mit allergrösster Wahrscheinlichkeit auch nie tun. Wenigstens nicht, um damit eine Arbeit zu verrichten. Für meine Frau und mich aber gehörte das «Fuerwärche» mit Pferden zum Alltag. Erst später, ohne dass uns dabei unsere Eltern beraten konnten, mussten wir auch den Umgang mit Motorfahrzeugen und Maschinen erlernen. Es könnte ja sein, dass später einmal unsere Kindeskinder und ihre Nachkommen wissen möchten, wie es vorher war. Deshalb möchte ich am Anfang eines neuen Jahrtausends in meinen Erinnerungen kramen. Dabei will ich aber nicht unbedingt mit meinen Erlebnissen anfangen, sondern mit mündlichen Überlieferungen meiner Vorfahren. Die ältesten Bruchstücke von solchen Berichten stammen immerhin von meinem Ururgrossvater Christen Aeschlimann, geboren Laut kirchlichem Eherodel von Beruf «Küher im Eriz». Die ältesten Überlieferungen stammen aus den Jahren 1811/12 und Also will ich versuchen, alles, was ich von den vergangenen 190 Jahren noch weiss, aufzuzeichnen. Allerdings nicht mit einem Steingriffel auf einer Schiefertafel, wie wir das im ersten Schuljahr lernten, sondern zeitgemäss mit einem PC. Vielleicht könnte es unsere Nachkommen, wenn sie selber schon älter geworden sind, halt «scho chly wunger näh», was vorher war. Eben, bevor die «neue Zeit» war. Von meinen Vorfahren weiss ich zwar auf rund vierhundert Jahre zurück, wie sie mit Vornamen hiessen, von den meisten auch, in welchen Jahren sie geboren wurden, wann sie geheiratet haben und teilweise vom 18. Jahrhundert an auch, wann sie gestorben sind. Von ihren persönlichen Erlebnissen und Schicksalen ist mir aber aus dem 17. und 18. Jahrhundert so gut wie nichts bekannt. Anhand von Berichten aus verschiedenen Quellen versuche ich aber ein Bild aus politischer und wirtschaftlicher Sicht auch aus dieser Zeit zu zeichnen. So kann man sich ungefähr vorstellen, was für ein Leben sie hatten. Was für «Leiden und Freuden» ihr Leben geprägt haben mögen. Meine Vorfahren Die Vorläufer der heutigen Zivilstandsbücher waren die kirchlichen Tauf-, Ehe- und Sterberodel, welche die Pfarrherren zu führen hatten. Wahrscheinlich waren die Vorschriften dazu nicht allzu streng oder der Fleiss der Pfarrer nicht allzu gross. Ausser dem Namen und Vornamen der eingetragenen Personen wurde in der Regel weder ein Beruf noch ein genauerer Wohnort vermerkt. Schliesslich hatten sie als Pfarrer noch Wichtigeres zu tun als nur zu schreiben. Ebenso wenig wie die Schulmeister konnten sie vom staatlichen Lohn allein leben. Deshalb gehörte zu jedem Pfarrhaus eine «Pfrund», das heisst ein Stück Land für zwei bis drei Kühe und etwas Ackerbau erteilten mein Vater und sein jüngster Bruder Alfred einem Herrn von Lerber aus Bern den Auftrag, unsere Vorfahren ausfindig zu machen. Wären die Angaben in den Rodeln der Kirche zu Rüderswil etwas genauer gemacht worden, würden auf meiner Ahnentafel väterlicherseits wahrscheinlich noch mehr Generationen stehen. Doch was nicht mit Sicherheit nachgewiesen werden konnte, wurde nicht aufgeführt. Immerhin kam dabei ein Stammbaum heraus, der in den Anfang des 17. Jahrhunderts zurück geht. Die Vorfahren in direkter Linie väterlicherseits waren: 8 9 Die Aeschlimann von Rüderswil David Aeschlimann Heirat mit Ramseier Anna geboren ca. 1610? geboren? Rüderswil Jakob Heirat? Gfeller Elsbeth getauft ? Oberspach, Rüderswil Christian Bürgi Elsbeth getauft ? Rüderswil Peter? Aeschlimann Anna getauft ? Rüderswil Peter? Moser Christina getauft ? Rüderswil Peter? Neuenschwander Maria getauft ? Christen 1800 Stegmann Verena geb Schwarzenegg Küher, Eriz verstorben? 2. Ehefrau: 1823 Roth Catharina von Eriz Christian 1858 Reusser Elisabeth Küher, Eriz von Aeschlen Christian 1891 Reusser Anna Landwirt + Küher, Eriz von Aeschlen Meine Eltern: Fritz Oesch Emma Landwirt + Küher, Eriz von Oberlangenegg Bödeli + Althaus Schwarzenegg, Salzhaus Die Oesch von Oberlangenegg Oesch Hans Heirat Sieber Ursula 1535?? Michel?? 1560? Michel? 1. Ehefrau: Rufener M. 1589? Ehefrau: Müller Anna Ulrich? 1. Ehefrau: Ritschard? 1638? Ehefrau: Bichsel Elise Christian 1713 Wenger Käthi Ulrich Ehefrau: Oesch Anna Ehefrau: Spicher Anna Ulrich 1781 Oesch Käthi Christian 1815 Rettenmund Anna Friederich 1853 Augsburger Marianne ? 1877 Johann 1891 Oesch Elise Salzhaus Emma geb. 1901, 5. Kind, meine Mutter Die Zeit der ersten bekannten Generationen Längst sind die persönlichen Erlebnisse der ersten Generationen dieser Aufzeichnungen in Vergessenheit geraten. Trotzdem kann man sich anhand geschichtlicher Dokumente so seine Vorstellungen machen, was ihr Leben geprägt haben mag. So war zum Beispiel der Wechsel vom katholischen zum reformierten Glauben, die Reformation im Jahr 1528, zu welcher die Landbevölkerung kaum etwas zu sagen hatte, eine gewaltige Umstellung. Die Eltern von Hans Oesch, geb. 1535, und seiner Frau Ursula Sieber haben diese Zeit hautnah miterlebt. Mit Sicherheit darf angenommen werden, dass alle oben erwähnten Generationen väterlicher- wie mütterlicherseits Bauern waren. Weil bis ins 19. Jahrhundert hinein jede bäuerliche Arbeit ausschliesslich Handarbeit war, machte die bäuerliche Bevölkerung bis zu 70% aus. Dazu kam auch, dass es so etwas wie ein ungeschriebenes Gesetz war, dass die Söhne den Beruf des Vaters ausübten, man kann auch sagen erlernten. Der «Lehrstoff» war die Erfahrung der Alten. Nur bei Jakob Aeschlimann, getauft am 24. Horner 1639, steht im Tauf - rodel nebst dem Namen noch die Ortsbezeichnung Oberspach. Zwei Heimet im Ortsteil Ranflüh zu Rüderswil gehörend tragen diesen Namen. Somit müssen bei seiner Taufe noch seine Eltern auf einem dieser Heimet gelebt haben. Speicher in Oberspach, Rüderswil. Speicher aus «Hälbligen» in der Bauart, wie sie im 17. Jhd. üblich war. Seine Inschrift lautet: 16 VLLI OBERLI VND SYN HVS + FROVW SVSANNA KÄHR 97 GOTT MIT VNS WER MAG WIDER VNS SEIN In Oberspach befinden sich zwei Heimet. Bei Jakob Aeschlimann ist als einzigem Vorfahren ein genauerer Wohnort mit Oberspach angegeben. Somit müssen seine Eltern David und Anna Ramseier oder er selber auf einem dieser Heimet gelebt haben. Das 17. Jahrhundert Laut einem Sey-Buch (Sey = Bestimmung von Weiderechten) aus dem Jahr 1654, das 1699 überholt wurde und gültig war bis 1799, hatte die Gemeinde Oberlangenegg zu dieser Zeit noch eine Allmend. Die Allmend war Land der Öffentlichkeit und kein Privatbesitz. Die Bauern hatten jedoch entsprechend der Grösse ihrer Winterung eine Anzahl Kuhrechte. Aus diesem Sey-Buch ist ersichtlich, dass Michel Oesch «zum Stäg», geb. 1589, (Weilername Steg, wo der Stammbaum tatsächlich hinführt) am meisten Allmendrech
Related Search
Advertisement
Related Documents
View more...
We Need Your Support
Thank you for visiting our website and your interest in our free products and services. We are nonprofit website to share and download documents. To the running of this website, we need your help to support us.

Thanks to everyone for your continued support.

No, Thanks